1996 Die spanische Fliege
Die spanische Fliege
von Franz Arnold und Ernst Bach
Im Zentrum des Geschehens steht der Senffabrikant Klinke, der sich leider fast nur für seinen Senf interessiert. Dafür interessiert sich seine Frau um so mehr für alle Dinge, die nicht mit Senf zusammenhängen. Da gibt es zwei -ursprünglich nicht vorgesehene- Liebespaare. Weiters treibt sich ein mehr windiger als findiger Möchtegerndetektiv herum, sowie ein Freund, auf dessen Indiskretion man sich hundertprozentig verlassen kann. Da tritt von Zeit zu Zeit ein Abgeordneter auf, dessen Parteizugehörigkeit ein Geheimnis bleibt, obwohl er ständig Partei ergreift. Seine Tätigkeit ist, wie nicht anders zu erwarten, weitgehend zwecklos. Und eine Stadtratsfamilie aus St. Pölten taucht auch auf (könnte auch aus Rohrbach sein). Nur ein Wesen hält sich diskret im Hintergrund, die spanische Fliege. Apropos »Fliege"- auch eine Kleidermotte (tinea saroitella) erfreut sich eines kurzen Auftritts, der allerdings letal endet.
Die Handlung erzählt von vermeintlichen und wirklichen Jugendsünden, dazu ein wenig Liebe und Assyriologie, gewürzt mit einer Prise Schein-, Doppel- und andere Moral und einem ordentlichen Löffel voll Senf.
Und über allem die spanische Fliege!

| Ludwig Klinke , Senffabrikant | Karl Rothberger |
| Emma Klinke , dessen Frau | Renate Zalto |
| Paula Klinke , deren Tochter | Eva Peherstorfer |
| Marie , deren Wirtschafterin | Maria Koblmüller |
| Alois Wimmer , Emmas Schwager | Richard Reiter |
| Eduard Burwig , Abgeordneter , Emmas Bruder | Gerhard Obermüller |
| Wally Burwig , dessen Tochter | Alexandra Eidenberger |
| Anton Tiedemeyer , ein Freund des Hauses | Eugen Peinbauer |
| Gottlieb Meisel , Stadtrat | Josef Gahleitner |
| Mathilde Meisel , dessen Frau | Ulrike Koblmüller |
| Heinrich Meisel , deren Sohn | Gottfried Fuchs |
| Dr. Fritz Gerlach , Rechtsanwalt | Martin Atzgerstorfer |
| Spielberatung | Joachim Rathke, Landestheater |
| Regie | Heinrich Pusch |
KULTUR PUR F X. Eder (Mühlviertler Rundschau 21.März 1996)
Oscarwürdig
KIRCHBERG/D. Eine Komödie ist nichts anderes als ein amüsant aufbereitetes in die Länge Ziehen von Missverständnissen, es kommt eben auf das Wie an. Heinrich Pusch und sein Ensemble gelingt das mit dem Schwank "Die spanische Fliege" einmal mehr grossartig. Was die Qualität der Kirchberger Theateramateure ausmacht, ist einerseits die professionelle Probenarbeit und andererseits die Ausgewogenheit des gesamten Ensembles.
Da gibt es praktisch keine einzige schwache, lieblos heruntergeleierte Szene, sondern ein Feuerwerk von komischen Situationen, die dank der originellen Regieeinfälle das Publikum mitreissen. Karl Rothberger als temperamentvoller Senffabrikant Klinke und Renate Zalto als seine charmante Gattin erweisen sich wieder einmal als Stützen des Ensembles. Eva Peherstorfer als verliebte Tochter Paula, Martin Atzgerstorfer als souveräner Anwalt und Bräutigam, Gottfried Fuchs als tolpatischer Heiratskandidat und Alexandra Eidenberger als spontan verliebte Tochter des leicht näselnden Abgeordneten Burwig gehen ebenso voll in ihren Rollen auf wie Eugen Peinbauer als Tiedemayer, Richard Reiter als Schwager und Maria Koblmüller als neugierige Wirtschafterin.
Was Josef Gahleitner und vor allem Ulrike Koblmüller als Ehepaar Meisel, aus kleinen Rollen herausholen, beweist, wie homogen und engagiert das Ensemble ist. Bei der Premiere spendete das begeisterte Publikum stürmischen Beifall.
Gäbe es heuer einen Oscar-Bewerb, so hätten die Kirchberger gute Chancen, die Trophäe erneut zu verteidigen.